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IW-Personaltrends Ausgabe II/2010 – Unternehmermeinungen zu Personalthemen

12.2010 Fachkräfte gesucht – Potenziale nutzen
 Die Wirtschaftskrise scheint überwunden. Deutschland wird nicht mehr als „kranker Mann Europas“ gesehen, sondern als „Wachstumslokomotive“. Erste Beobachter sprechen bereits von einem „deutschen Jahrzehnt“. Basis der wirtschaftlichen Erholung sind die Fachkräfte. In der Krise haben die Unternehmen flexible Instrumente genutzt, um ihre Fachkräfte zu halten. Zukünftig erwarten die Unternehmen einen steigenden Fachkräftebedarf, so die Ergebnisse der zweiten IW-Personaltrends. Die Antworten zeigen weiterhin, wie durch Ausbildung die erforderlichen Fachkräfte gewonnen werden können.

Im Sommer 2010 hat die IW Consult, ein Tochterunternehmen des Instituts der deutschen Wirtschaft, die zweite Befragungswelle der IW-Personaltrends durchgeführt. In dieser neuen Studienreihe werden regelmäßig Unternehmen zum Thema Human Ressources befragt. Es haben sich rund 1.800 Unternehmen aus der Industrie, der Bauwirtschaft und allen Dienstleistungsbranchen beteiligt. An dieser Stelle möchten sich mein Team und ich uns bei Ihnen für Ihre Teilnahme und Ihr Engagement herzlich bedanken. Wir präsentieren Ihnen in diesem Panel-Report einige zentrale Ergebnisse.

Fachkräfte sind die Basis
Motor der deutschen Wirtschaft sind ihre gut ausgebildeten Mitarbeiter. Rund 85 Prozent aller Unternehmen beschäftigen Mitarbeiter mit abgeschlossener dualer Ausbildung.

Die Berufsausbildung stellt also weiterhin einen zentralen Faktor für den Erfolg der Unternehmen dar. Hochqualifizierte Meister, Techniker oder Akademiker sind in rund zwei Drittel der Unternehmen beschäftigt. Mitarbeiter ohne Berufsausbildung spielen bereits heute in mehr als der Hälfte aller Unternehmen keine Rolle mehr.

Fachkräfte weiter gesucht
Rund zwei Fünftel der Unternehmen mit Personalbedarf in einem Qualifikationssegment gehen jeweils von einem steigenden Bedarf bei Mitarbeitern mit Aus- und Fortbildung sowie Akademikern aus. Nur rund acht Prozent der Unternehmen planen hier einen Personalabbau.

Megatrend zur Höherqualifizierung hält an
Während der Personalbedarf nach Fachkräften zunimmt, sind Geringqualifizierte in den Unternehmen nur noch selten gefragt: Von den Unternehmen, die Mitarbeiter ohne Berufsausbildung beschäftigen, wollen zwar auch 16 Prozent mehr einstellen. Allerdings planen 26 Prozent einen Abbau in diesem Qualifikationssegment. Umso wichtiger wird es, junge Menschen ausreichend zu qualifizieren.

Rekrutierungsprobleme bereits weit verbreitet
Dies gilt auch vor dem Hintergrund, dass Fachkräfte knapp werden. Vier von zehn Unternehmen, die im Jahr 2009 Fachkräfte gesucht haben, hatten mittlere oder große Probleme bei der Rekrutierung von Mitarbeitern mit abgeschlossener Berufsausbildung. Bedeutende Engpässe lassen sich auch bei der Suche nach Personen mit Fortbildungsabschluss und Akademikern ausmachen.

Mit Ausbildung zu qualifizierten Mitarbeitern
Mit der dualen Ausbildung können Unternehmen ihren Fachkräftebedarf zumindest teilweise in Eigenregie decken. Auch bei der Rekrutierung von Auszubildenden befinden sich die Arbeitgeber im Wettbewerb um talentierte Köpfe. Die Personaltrends zeigen, dass ausbildungsaktive Unternehmen besonders auf leistungsstärkere Bewerber fokussieren, auch wenn diese nur einen vergleichsweise kleinen Anteil der tatsächlich eingestellten Bewerber umfassen.

Wettbewerb um talentierten Nachwuchs
Der Wettbewerb um talentierte Nachwuchskräfte gestaltet sich bereits heute für die Unternehmen nicht unproblematisch. Gut die Hälfte der Unternehmen, die im Jahr 2009 Auszubildende gesucht haben, hatten dabei Rekrutierungsprobleme.

Als wesentliche Schwierigkeit geben 95 Prozent der Unternehmen an, dass es nicht genügend geeignete Bewerber gibt. Als Folge davon äußern drei Viertel der Unternehmen, dass sie Abstriche bei der gewünschten Qualifikation der Auszubildenden machen müssen. Etwas seltener (64 Prozent) sind die Unternehmen bereit, Abstriche bei der Motivation der Jugendlichen zu machen. Immerhin gut 44 Prozent der Unternehmen geben an, dass es nicht genügend Bewerber gibt.

Ungenutzte Potenziale bieten Chancen
Die Unternehmen konkurrieren vor allem um leistungsstärkere Jugendliche. Dabei bietet auch die bessere berufliche Integration von tendenziell schwächeren Bewerbern Chancen: Die Erfahrungen mit diesen Bewerbern sind durchaus positiv: So werden Altbewerber insgesamt nicht schlechter bewertet als ein durchschnittlicher Auszubildender. Bei den Unternehmen, die bereits Erfahrungen mit dieser Gruppe sammeln konnten, schneiden Altbewerber bei der Einschätzung ihrer Motivation sowie der Kenntnisse und Fähigkeiten jedoch deutlich besser ab als ein durchschnittlicher Auszubildender. Deutliche Erfahrungsvorsprünge in der Bewertung zeigen sich auch bei Jugendlichen ohne Schulabschluss oder mit Hauptschulabschluss.

Viele Möglichkeiten zur gezielten Förderung
Eine wichtige Brückenfunktion, um persönliche Erfahrungen mit spezifischen Bewerbergruppen zu sammeln, erfüllen Praktika oder berufsvorbereitende Maßnahmen. Diese Angebote werden in vielen ausbildungsaktiven Unternehmen bereits heute offeriert.
In großem Umfang bieten sie Praktika in der Berufsvorbereitung (72 Prozent), bei Einstiegsqualifizierungen (34 Prozent), aber auch im Bereich der Berufsausbildung für Teilnehmer an vollzeitschulischen Ausbildungen (65 Prozent) an. Darüber hinaus finden auch hochwertige Ausbildungsangebote mit Zusatzqualifikationen in gut jedem dritten und mit dualen Studiengängen in knapp jedem fünften ausbildungsaktiven Unternehmen inzwischen eine weite Verbreitung.
Ich hoffe, dass wir Ihnen mit den vorliegenden IWPersonaltrends interessante Informationen liefern konnten. Der komplette Ergebnisbericht zum Qualifizierungsmonitor mit weiteren wichtigen Ergebnissen steht auf der Website des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zum Download zur Verfügung. Über Ihre Beteiligung an der neuen Befragungsrunde Anfang nächsten Jahres würde ich mich sehr freuen.

Herzlichst Ihr
Prof. Dr. Michael Hüther,
Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln

Quelle


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